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Astrid Urlaub                                             Schützenstr. 6b                              41469 Neuss - Hoisten

Schilddrüsenerkrankungen


Die Schilddrüse liegt bei Hund und Katze im unteren Halsbereich und ist eine der
wichtigsten Hormondrüsen für den geordneten Stoffwechsel des Körpers. Sie kann
normalerweise nicht getastet werden. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Herstellung
der Hormone Thyroxin (=T4, 3, 5, 3´, 5´-Tetrajodthyronin) und Trijodthyronin (= T3).
Die Regelung der Hormonproduktion ist ein komplexes Geschehen und erfolgt
einerseits über das TSH (Schilddrüsen stimulierendes Hormon), das in der
Hirnanhangsdrüse gebildet wird, andererseits über die gebildeten Hormone und
drittens über die Jodaufnahme. Aufgrund der derzeitigen Fütterungsgewohnheiten
spielt der Jodmangel keine Rolle mehr. Rasse, Geschlecht, Alter, Ernährung und
andere Erkrankungen sowie Medikamente können den Schilddrüsenhormonhaushalt
beeinflussen.
So wie beim Menschen kann die Schilddrüse auch beim Tier erkranken. Während
beim Hund in den meisten Fällen eine Unterfunktion der Schilddrüse =
Hypothyreose auftritt, ist bei Katzen eine Überfunktion = Hyperthyreose häufiger.
Die Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen kann nur mit Hilfe einer
Laboruntersuchung des Blutes gestellt und gesichert werden – ein
Schilddrüsenprofil (Hund: T4, freies T4, canines TSH, Cholesterin; Katze: T4, freies
T4, ALP) wird erstellt.
Wie beim Menschen wäre auch die Szintigraphie zur Untersuchung geeignet, doch
ist dies nur in speziell dafür ausgestatteten Kliniken wie z.B. der Universitätsklinik in
Bern möglich.


Unterfunktion der Schilddrüse
Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann angeboren (ungenügende Ausbildung der
Schilddrüse oder der Hirnanhangsdrüse – selten bei Hund und Katze; Zwergwuchs)
oder erworben (Autoimmunerkrankung, Idiopathische Nekrose oder Tumor der
Schilddrüse oder der Hirnanhangsdrüse, Medikamente wie Phenylbutazon,
Phenobarbital, Salizylate u.a.) sein. In etwa 90 % der Fälle handelt es sich beim
Hund um eine Autoimmunkrankheit namens lymphozytäre Thyreoiditis und einer
anschließenden Atrophie (= Rückbildung) des Schilddrüsengewebes. Rassen wie
Beagle, Boxer und Golden Retriever sind häufiger betroffen. Bei der Katze tritt eine
Unterfunktion der Schilddrüse sehr selten auf.
Der Verlauf ist chronisch. Symptome sind erst ab einem Zerfall von mehr als zwei
Drittel des Hormon produzierenden Gewebes zu erwarten. Die Symptome sind sehr
unspezifisch: Leistungsschwäche, Wesensänderung, Gewichtszunahme, niedrige
Herzfrequenz, Fortpflanzungsstörungen, Fellveränderungen (Schuppen, trockenes
oder fettiges, stumpfes Haar, Haarausfall, Pusteln, Juckreiz), selten
Bewegungsstörungen oder Lahmheit durch Muskelschwäche oder nervale
Erkrankung (Megaösophagus, vestibuläres Syndrom, epileptiforme Anfälle, Taubheit)
und Augenerkrankungen, seltener Flüssigkeitsansammlung in der Unterhaut =
Ödeme.
Ähnliche Symptome kommen aber auch bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen
durch andere Ursachen vor. Manche Erkrankungen können das T4 senken, obwohl
die Schilddrüse primär gesund ist (z.B. Diabetes mellitus = Zuckerkrankheit,
Nebennierenunterfunktion = Morbus Addison, Leber- und/oder Nierenerkrankungen,
Unterernährung u.a.). Man spricht dann vom so genannten „euthyroid sick
syndrom“. Die Abklärung ist in vielen Fällen mit einer Reihe von
Zusatzuntersuchungen möglich, aber leider relativ kostenintensiv.
Die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion besteht in der Gabe eines
Schilddrüsenhormon-Ersatzpräparates, das in den meisten Fällen lebenslang
gegeben werden muss. Regelmäßige Laborkontrollen sichern die ausreichende
Einstellung.

Überfunktion der Schilddrüse
Obwohl diese Erkrankung erst 1979 in Amerika bei der Katze entdeckt wurde, tritt sie
inzwischen auch in Europa immer häufiger auf und ist eine der häufigsten
Erkrankungen älterer Katzen überhaupt. Die Ursache sind zu 98-99% gutartige
Schilddrüsentumore (Adenome), die zu einer Vergrößerung der Schilddrüse mit
vermehrter Hormonproduktion führen. Vor allem ältere, weibliche Katzen ab einem
Alter von 6 Jahren sind betroffen.
Bei Hunden ist diese Erkrankung selten und basiert meist auf einer Tumorerkrankung
der Schilddrüse.
Die Katzen nehmen ab, zittern, haben struppiges Fell, zeigen Muskelschwäche,
manchmal Fieber, Hyper- oder Hypoaktivität, Nervosität, Fellveränderungen,
Änderung des Fress- und Trinkverhaltens, Erbrechen, Durchfall, erhöhte
Herzfrequenz und Atemprobleme, auch Vergrößerung der Schilddrüse.
Die Diagnose wird bei Katzen durch die Erstellung eines Schilddrüsenprofils aus dem
Blut gestellt. Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, die bei älteren Katzen
ebenfalls häufig auftreten (Nieren- und Lebererkrankungen, Herzerkrankungen)
müssen ausgeschlossen werden.
Die Therapie kann mittels Tabletten durchgeführt werden. In ausgeprägten Fällen ist
eine chirurgische Entfernung der Schilddrüse und anschließender Ersatz der
Schilddrüsenhormone angezeigt, die jedoch einen hohen Aufwand mit häufigen
Blutuntersuchungen notwendig machen.